Redaktion: Interaktion mit den Rezipienten nimmt eine immer größere Bedeutung ein. Welche Tools bieten sich hier besonders für Websites an?
R. Zotin: Dienstleistung oder Service als Interaktion auf der Seite wird immer beliebter, da Internet als Marktplatz für alle Branchen immer wichtiger wird. Also wird auch bei kommerziellen Anbietern, wie z.B. bei Fluggesellschaften oder anderen internetunabhängigen Dienstleistern der Service ins Internet verlagert. Immer öfter findet man kostenlose Service-Chaträume direkt auf den Webseiten. Opensource Projekte bieten das schon längere Zeit, in den sog. IRC Chaträumen an.
Privatpersonen und Kleinunternehmer geben gern auch Ihre ICQ, Skype und sonstige Messenger Nummern an, um im direkten Kontakt zu den Interessenten zu stehen. Twitter gewinnt immer mehr an Bedeutung. Insbesondere als Informationskanal mit der Möglichkeit, sofort einen direkten Rückdraht zu den “Zuhörern” zu haben. Wer heute Schritt mit der Entwicklung des Informationszeitalters halten möchte, twittert - egal was man für eine Aufgabe im Privat- oder Berufsleben hat. Natürlich steht hierbei die Person, nicht die Webseite, im Vordergrund, doch der Trend geht momentan genau dahin. Tipp: getwittert wird regelmäßig von Applikationen, die man sich ausgesucht hat, oder vom Handy aus. Im seltensten Fällen wird die Seite twitter.com selbst benutzt. Ich bevorzuge EventBox auf dem Mac, Twitterfox Add-On für Firefox auf PC und unterwegs einfach die Seite m.twitter.com im Browser meines Smartphones.
Redaktion: Ein zunehmend stärker in den Fokus von Webseiten-Betreibern rückendes Thema ist die Suchmaschinenoptimierung. Flashanimierte Webseiten werden jedoch bei Google vergleichsweise schlecht gerankt und folglich werden Webdesigner, die stärker Flash einbinden wollen, eher in ihrer Arbeit gehemmt. Was muss sich hier zukünftig ändern?
R. Zotin: Suchmaschinenoptimierung ist sehr wichtig. Was nützt eine Seite, auf die man nicht trifft, weil sie nicht gut oder gar nicht in den Suchergebissen gelistet ist? Zumindest Google hat aber, was die Indizierung von Flashsites angeht, in letzter Zeit sehr große Fortschritte gemacht. Alle Texte innerhalb des Flashfilms sollten nun für Google-Crawler sichtbar sein, vorausgesetzt die Flashelemente sind direkt in HTML eingebunden (via <object> & <embed> TAGs), mit Javascript Anbindung, also z.B. über die SWF-Object Klasse scheint es leider noch nicht wirklich gut zu klappen. Ist die Indizierung gelungen, geschieht sie jedoch ohne Gewichtung des Inhalts, so dass es natürlich suboptimal bleibt und von Flashelementen mit wichtigen Inhalten weiterhin stark abgeraten wird. Bald wird es gewiss bestimmte Standards geben, die man zu beachten hat, um seine Inhalte vergleichbar mit XHTML gewichtet indizieren zu lassen.
Redaktion: Ein großes Thema ist immer wieder die Usability von Webseiten. Gerade ältere, aber auch z.B. sehbehinderte Menschen stoßen häufig auf Barrieren bei der Webführung. Wie müssen sich Websites künftig entwickeln, damit die Usability auch für weniger internetaffine Menschen verbessert wird?
R. Zotin: Barrierefreies Webdesign ist nicht neu. Man muss bedenken, dass es mehrere Gruppen von Menschen gibt, die auf unterschiedliche Instrumente zugreifen. Es gibt Software, die Webseiten vorliest oder Texte in ertastbare Blindenschrift umwandelt. Um barrierefreie Webseiten zu entwickeln, benötigt man nicht viel mehr, als man schon weiß, wenn man ein richtiger Webdesigner oder Webprogrammierer ist. Sich an die Standards zu halten ist das erste Gebot, was ohnehin schon gilt. Nur weil meine Seite in meinem Lieblingsbrowser gut ausschaut, heißt es nicht, dass diese auch standardgerecht programmiert ist. Diverse Validatoren, die u.a www.w3c.org selbst anbietet, helfen hier enorm weiter (HTML/XHTML/CSS). Den einen weiteren Schritt bis zu einer tatsächlich barrierefreien Seite muss man aber selbst gehen. Es sind nur eine Handvoll Regeln, die man verinnerlichen und anwenden muss, um hier erfolgreich zu sein. Tutorials zum barrierefreien Webdesign “ergoogeln” Sie sich bitte selbst, denn in so einem dynamischen Zeitalter wäre es nicht angebracht, auf statische Links zu verweisen
Weniger internetaffine Menschen sind nicht zwingend körperlich eingeschränkt und umgekehrt. Meine Mutter hat Computer und Internet erst mit 63 Jahren kennengelernt, surft jetzt seit fast einem Jahr nahezu täglich und verbringt im Netz meinen Befürchtungen nach sogar mehr Zeit als ich. Ist sie nun internetaffin?
Beim Webdesign wie auch allgemein im Design, muss pingeligst auf die Kommunikation geachtet werden. Ein Link muss als ein Link erkennbar sein, ein Button als ein Button. Die Schriftgröße sollte vertretbar sein - genauso wie der Kontrast zwischen der Schrift und seinem Hintergrund. Ein horizontaler Scrollbalken ist genauso eine Sünde (egal bei welcher Bildauflösung!), wie wechselnde Position der Navigation. An die Userführung sollte unbedingt gedacht werden. Was macht der Besucher, wenn er auf einer fast leeren Unterseite angekommen ist, auf der keine weiterführende internen Links mehr sind? Ja, ein internetaffiner Besucher, der interessiert ist, klickt womöglich im Browser auf “Zurück”, macht eine entsprechende Mausgeste oder drückt auf der Tastatur schnell den “Back-Button”. Aber wenn Sie ihn bis zu dieser Stelle noch nicht überzeugen konnten und ihm den weiteren Weg nicht “aufzeigen”? Er schließt die Seite, versprochen!
Neue Konzepte der Userführung sind schwer durchzusetzen. Selbst der Facebook-Riese kämpfte vor Kurzem mit Millionen eigener Nutzer, die vom einem oder anderen Redesign der Seite und der Userführung, absolut empört waren. Aber im kalifornischen Palo Alto sitzen keine Amateure. Binnen weniger Minuten haben die meisten Benutzer die neue Idee und die Effizienzsteigung dahinter verstanden und sich damit prompt angefreundet. Solche Experimente darf man sich aber auch nur dann erlauben, wenn man genau weiß, was man tut und auf einige unflexible Schreihälse sowieso gut verzichten kann. Natürlich dürfen wir auch nicht vergessen, wie zügig sich z.B. die Touchscreens verbreiten. Die Webentwicklung für iPhone brachte Webkit ganz groß heraus. Auf dieser Basis werden derzeit viele Browser für unterschiedliche mobile Endgeräte entwickelt. Bleibt also nur abzuwarten, was demnächst die neue Hardware von Mobiltelefonen, PDAs, Smartphones aber auch Flachbildfernseher mit eingebautem Rückkanal uns alles bieten werden. Wir werden unsere Webseiten schon überall drauf bekommen!
Und wer mit Rostislav Zotin fachtwittern will, hier der Kontakt: twitter.com/RealRusty.
21. April 2009
super Statement! man wundert sich denn doch hin und wieder warum auch unter Profis “Userführung” und “Navigation” oft (aber nicht von Dir) synonym gesetzt werden. Grade hier liegt ja das große Potenzial: nachdem die Welt mit coolen Patterns und Templates überschwemmt werden, können Producer mit guten Konzepten der Userführung Punkten.