Jun 19

albrecht-dietzel1Im dritten Teil des Interviews mit Albrecht Dietzel spricht der Web-Developer über die Vorteile von Open Source, die Fehler, die ein Web-Programmierer bei seiner Arbeit vermeiden sollte und schließlich über die Entwicklung des Internets in den kommenden Jahren.

Redaktion: Inwieweit ist denn der Einsatz von Open Source im Web-Development sinnvoll?

Albrecht Dietzel: Es gibt nichts Besseres. Ich habe in Close Source-Environments gearbeitet und muss sagen, es ist einfach furchtbar, weil man so nie die perfekte Lösung findet. Man kann einfach nicht die perfekte Bibliothek schreiben, egal wie sehr man in dem jeweiligen Feld involviert ist. Es müssen immer mehrere Leute daran arbeiten. Ein Buch wird ja z.B. auch von zahlreichen Leuten Korrektur gelesen und das ist richtig so, denn viele Augen sehen doch letztlich mehr als einer alleine. Das Internet ist Open Source, es ist frei und bietet Raum für offenen Informationsaustausch und genauso muss die Entwicklung sein - sonst funktioniert es nicht. Praktisches Beispiel: Wir konnten durch Open Source innerhalb eines Jahres eine unglaublich komplexe Internetseite entwickeln, mit tiefgreifender Funktionalität und geografischem Informationssystem, weil uns die Open Source-Community all´ das zur Verfügung stellte. Natürlich haben wir auch unseren Beitrag dazu geleistet und Änderungen zurückgeschickt. Open Source funktioniert eben durch Geben und Nehmen.

Auch das Argument security by obscurity, also das man sagt, ich arbeite in einem Close Source-Projekt, dann kann die Seite keiner knacken, ist Unsinn. Wenn ich eine Bibliothek benötige, suche ich als allererstes nach einer Open Source-Lösung, weil ich genau weiß, dass die auch dann existiert, wenn ich nicht mehr an dem Projekt arbeite. Der Nächste, der dann kommt, hat auf jeden Fall Zugriff auf die gesamte Masse an Dokumentation und Hilfe einer unglaublichen Community, die den ganzen Tag damit beschäftigt ist, dich zu supporten, wenn du Interesse daran hast. Dubizzle würde beispielsweise ohne Open Source nicht in der Form existieren.

Redaktion: Was denken Sie, sind die gröbsten Fehler, die ein Web-Programmierer machen kann?

Alberecht Dietzel: Neben dem allein im Kämmerchen arbeiten, ist einer der größten Fehler, Techniken zu verwenden, die den Zugang zur Information verhindern. Ich mag Flash wirklich, aber es gibt ja noch immer genügend Internetnutzer, die Flash nicht haben oder benutzen. Wobei das wieder in Richtung Nutzeranalyse geht. Ich hatte ja bereits von der 80-20-Regel gesprochen. Sprich der Web-Programmierer muss seine relevanten Webseitenbesucher kennen und wissen, welche Techniken er einsetzen kann. Für Dubizzle hieß das z.B., dass wir ohne Flash arbeiten und Seiten so programmieren mussten, dass sie mit und ohne JavaScript funktionieren.

Redaktion: Können Sie uns zum Abschluss noch einen Ausblick in puncto Webentwicklung geben?

Alberecht Dietzel: Ich will das mal ganz kurz zusammenfassen. Das Internet wird sich in alle Bereiche des Lebens ziehen. Es wird immer detaillierter werden und in Gebieten Einzug halten, die wir heute noch gar nicht erahnen. Man muss ein wenig aufpassen, dass diese neue Form der Kommunikation nicht das Leben bestimmt, sondern dass man imstande ist, diese Medien für sich positiv zu nutzen. Die Möglichkeiten, die sich durch diese neuen Entwicklungen ergeben, sind schön und eine gute Ergänzung, aber man muss eben wissen, wie man mit diesen Informationssystemen umzugehen hat. Durch diese Entwicklungen im Web wird der Mensch gewissermaßen auf eine neue Evolutionsstufe gehoben. Das Internet schleicht sich immer mehr in unser Leben, was einerseits positiv ist, weil es den Alltag vereinfachen kann, anderseits gerät der Mensch auch immer mehr in die Abhängigkeit, da man zunehmend vieles ohne das Internet nicht mehr machen kann.

Ich freue mich über jede neue Webentwicklung, die Information bereitstellt und es einfacher macht, an Informationen zu gelangen. Ich glaube daran, dass Information für jeden Menschen auf der Welt immer und überall zur Verfügung stehen sollte. Und für diese Aufgabe ist das Internet das beste Medium. Als Web-Programmierer möchte ich eine Rolle dabei spielen, das Web einfacher zu machen. Daher ist die Überlegung, wie ich das Leben der Webseitenbesucher einfacher machen kann, dass, was mich den ganzen Tag antreibt.


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