Nov 11

Tim S. Weiffenbach

In unserem dritten Beitrag, der sich mit der Thematik Logo und Logo-Design beschäftigt, lassen wir einmal einen wirklichen Profi auf diesem Gebiet zu Wort kommen - Tim S. Weiffenbach. Der Illustrator hat an der Hochschule Darmstadt Kommunikations Design mit dem Schwerpunkt Illustration studiert. Er lebt und arbeitet in Steinbach, einem Ort unweit von Frankfurt am Main. Neben seiner Tätigkeit als Illustrator und Logo-Designer ist er zudem Gründungsmitglied und derzeitiger Vorsitzender der Illustratoren Organisation e.V. (IO), Dozent im Fachbereich Illustration an der Academy of Visual Arts (AVA), Lehrbeauftragter für Illustration an der Bauhaus-Universität Weimar und Ehrenmitglied der Society of Illustrators New York, USA. Für uns hat er sich für ein Interview Zeit genommen und Fragen rund um das Thema “Logo” beantwortet.

Redaktion: Einer Ihrer Schwerpunkte als Illustrator liegt in der Erstellung von Logos und Icons. Was waren Ihre persönlichen Beweggründe, in diesem Bereich zu arbeiten?

Tim S. Weiffenbach: Logogestaltung ist die Königsdisziplin an der Schnittstelle zwischen Illustration und Graphic Design. Es geht hier explizit um Inhalte, nicht nur um dekorative Verpackung - was oftmals unterschätzt wird. Hier muss sich der inhaltliche Kern eines Unternehmens auf ein Bildzeichen verdichten, das in der Lage ist zu informieren, zu emotionaliseren und Identität bzw. Identifizierung zu ermöglichen. Wenn ich hier von Logo rede, meint das immer Bildmarken oder Wort-/Bildmarken. Icongestaltung hat einen nicht ganz so umfänglichen Ansatz, der Reiz der Aufgabe liegt aber auch hier in der optimalen Verdichtung von Information bei gleichzeitiger formaler Eigenständigkeit. Darüberhinaus erfährt man als Gestalter bei der Logogestaltung einen der wenigen Momente von Wichtigkeit: Immerhin gibt man einer Unternehmung ein Gesicht, man wird als strategischer Berater mit gestalterischem Output tätig.

Redaktion: Auf Ihrer Homepage kann man folgende Aussage lesen: “Mein Interesse und meine Arbeitsweise gelten vorrangig der Lösung gestalterischer Kommunikationsaufgaben, weniger der künstlerischen Selbstverwirklichung.” Ist für die Erstellung eines Logos eher handwerkliches Können als künstlerische Kreativität vonnöten?

Tim S. Weiffenbach: Die Betonung lag auf “Selbstverwirklichung”. Natürlich ist künstlerische Kreativität nötig, aber ich halte es hier auch gerne mit dem wunderschönen Satz von Heinz Strunk: “Amateure warten auf Inspiration, Profis setzen sich hin und arbeiten.” Es geht um zielführende gestalterische Lösungen bei der Entwicklung einer Wort-/Bildmarke, da muss sich der Kreativität unbedingt auch Methodik hinzugesellen. Die Ergebnisse, die ohne strategische Überlegungen, Marktresearch oder überhaupt konzeptionelle Ansätze auskommen, kann man wunderbar auf diversen Design-Auktions-/Wettbewerbs-Plattformen oder bei 99Cent-Logo-Anbietern beobachten: Völlig  beliebige bunte Bilder aus der Designer-Schrot(t)flinte. Wer solche Logos auf seine Visitenkarte druckt wird von seinen zukünftigen Kunden auch genauso empfangen werden. Unglücklicherweise sind gerade bei der “Namens- bzw. Gesichtsgebung des Babys” oftmals Budgetknappheit und ungenaue Positionierungen übliche Arbeitsbedingungen.

Redaktion: Können Sie uns einen Einblick in Ihre Arbeit geben und kurz schildern, welche Arbeitsschritte für die Entwicklung eines Logos erforderlich sind?

Tim S. Weiffenbach: Es sind die üblichen Schritte jeder umfänglicheren gestalterischen Aufgabe: Briefing, Analyse, Rebriefing, Marktresearch, Konzept, Brainstorming, Auswahl, Scribblen, Layout, interne und externe Abstimmungen, Tests, Redesigns, Präsentation, Korrektur, Finalisierung. Brainstorming ist hier ein Aspekt, der sehr intuitiv und  zeitungebunden funktioniert - an dieser Stelle kommt man der Idee von Inspiration und künstlerischer Kreativität  sicher am nächsten.

Redaktion: Welche Funktion muss ein Logo erfüllen?

Tim S. Weiffenbach: Wie schon erwähnt: Im Logo muss sich der inhaltliche Kern eines Unternehmens auf ein Bildzeichen verdichten, das in der Lage ist zu informieren, zu emotionaliseren und Identität bzw. Identifizierung zu ermöglichen. Ich bin daher vergnügter Gegner reiner Wortmarken oder ungegenständlicher Logos, weil sie selten selbsterklärend sind und enormen Druck in den Kommunikationskanälen benötigen, um sich zu etablieren. Für Logos darf meiner Meinung nach gelten: “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.”

Redaktion: Mit welchen Programmen arbeiten Sie denn?

Tim S. Weiffenbach: Mit denen in meinem Kopf. Der Rest ist sekundär: FreeHand, Illustrator, Photoshop, Painter, Mindmaps, Rich Pictures, Generatoren etc.

Redaktion: Inwieweit hilft Ihnen die technische Weiterentwicklung bei den verschiedenen Programmen für Ihre Arbeit?

Tim S. Weiffenbach: Insoweit, wie sie dem gesamten Designbereich hilft. Vereinfachung in der Bedienung bei Maximierung der Möglichkeiten in der Gestaltung und Darstellung.

Redaktion: Wo sehen Sie in puncto Software noch Nachholbedarf? Welche Tools müssten Ihrer Meinung nach verbessert werden bzw. welche technischen Möglichkeiten vermissen Sie derzeit noch?

Tim S. Weiffenbach: Dem kreativen Arbeiter hilft alles, was Wert auf intuitive Handhabung gegenüber rationalisierender Tools setzt. Negativ bewerten muss man allerdings, dass Kunden vielfach glauben, unsere Ausbildung bestünde im Erlernen von Programmen und nicht in dem von gestalterischen Regeln, Gesetzen, Methoden und Strategien in einem unexakten Arbeitsfeld. Aus dieser Annahme wird dann fälschlicherweise abgeleitet, Kreativität bzw. kreative Prozesse ließen sich restlos rationalisieren. Duh!

Redaktion: Wie überall gibt es auch bei Logos gute und schlechte. Was sind für Sie die Kriterien, die ein gutes Logo ausmachen und wann ist ein Logo nach Ihrem Verständnis wirklich schlecht?

Tim S. Weiffenbach: Ein gutes Logo funktioniert. In Schwarzweiß. In Farbe. Online und Offline. Kultur- und sprachübergreifend. Einem schlechten Logo ist es egal, ob es für Turnschuhe, Medikamente oder Online-Kasinos steht - es ist ein austauschbares Irgendwas, das sich zufällig eingefunden hat. Wie ein unerwünschter Partygast.

Redaktion: Es gibt zahlreiche Logos, die man als sehr gelungen bezeichnen muss. Welches ist, gemessen an den objektiven Kriterien, die ein Logo erfüllen muss, Ihrer Meinung nach das beste Logo bzw. Ihr persönliches “Best Practice” bzw. Vorzeigebeispiel und warum? Welches ist im Gegensatz dazu das schlechteste?

Tim S. Weiffenbach: Das beste Logo wage ich mich nicht zu benennen, es gibt viele gute. Persönlich gefallen mir z.Zt. die Logos von FedEx (Suchen Sie nach dem Pfeil! Einmal gesehen werden Sie ihn nie vergessen), Deutsche Bank, Deutsche See und Star Donuts (es ist ein ganz bestimmter Shop in USA). Schlechte Logos findet man zu Hauf im Netz - immerhin etwas, von dem man versuchen kann sich abzusetzen. Mein all-time-favorite wird wohl das Logo zur FIFA WM 2006 Deutschland bleiben: Smilies im Extasyrausch im Partyflyer-Look - inhaltlich fragwürdig, gestalterisch absolut suboptimal, technisch ein Albtraum.

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tim s. weiffenbach
illustrator

Homepage: www.illustration-tw.com
Blog: illustration-tw.blogspot.com

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