“Blinkende oder sich eben bewegende Animationen sind biologische “Waffen”. “Der Mensch ist nun mal darauf programmiert, auf jede Bewegung zu reagieren, so irrelevant sie auch sein mag. So wird auch eine Animation, die nicht zielführend ist, die Aufmerksamkeit des Users beeinträchtigen, selbst wenn er die Irrelevanz erkennt”, erklärt die Diplom-Wirtschaftspsychologin Irka Schneider. Heißt dies nun in der schlussendlichen Konsequenz, dass der Einsatz von Animationen für primär informierende Webseiten überflüssig sind?
Betrachtet man die großen informationsvermittelnden Onlineportale wie Google oder Amazon, könnte man genau zu diesem Ergebnis kommen. “Bei Suchmaschinen und Shoppingportale steht die Informationssuche und damit die zuverlässige und zielführende Navigation absolut im Vordergrund. Daher findet man auf Seiten wie Google nichts, was in irgendeiner Form ablenken könnte”, sagt Stephan Preuß. Auch die Notwendigkeit mittels Animationen eine Homepage zu beleben und ein Produkt zu emotionalisieren sieht Preuß nicht. “Das ist Aufgabe einer Marketingkampagne. Auf einer Website wird dieses Image lediglich vererbt.” Und warum sollte beispielsweise ein Zulieferbetrieb für einen Automobilkonzern seinen Elektromotor emotionalisieren?
Virtuelle Elemente wie Animationen sind sinnvoll, wenn sie zielführend eingesetzt werden. Klickt man auf ein Bild, erwartet man üblicherweise dessen Vergrößerung. Nun kann man neben der Vergrößerung das Bild auch noch mit einem gesonderten Rahmen abheben und den Rest der Seite etwas verdunkeln. Mittels dieser Animation erhält der User den gewünschten Mehrwert. Weitere positive Animationsbeipiele können die Avatare, also die grafischen Stellvertreter auf der Homepage, sein. “Anna” hilft auf der Ikea-Seite dem User bei aufkommenden Fragen weiter. Allerdings nur in dem ihr vorgegebenen Informationsrahmen. Irka Schneider beurteilt den Einsatz virtueller Webelemente metaphorisch: “Animationen sind das Salz in der Suppe, ohne sie geht es nicht, nur zu viel davon ist schlecht.” Und wenn Animationen ihren Zweck erfüllen, sind diese natürlich ein Gewinn für jede Homepage, jedoch darf die Seite dann nicht zu einem animierten Showroom verkommen.
“Das Problem beginnt doch bereits damit, ein gutes Layout für eine Homepage zu entwerfen, was einerseits mehrheitlich gefällt und andererseits für verschiedene Monitore passt. Wenn man das geschafft hat, ist die Website doch zumeist schon so ausgefeilt, dass zusätzliche Animationen eher störend wirken.” Daher sieht Stephan Preuß den kommenden Trend in puncto Webdesign in der Rückbesinnung auf eine gewisse Ordnung und Schlichtheit. “Je chaotischer eine Gesellschaft wird, desto mehr suchen die Menschen wieder nach einer Form der Orientierung - natürlich auch im Internet.”
15. Februar 2009
[...] HANDSPIEL zu den Trends der interaktiven Nutzerführung auf Webseiten. Lesen Sie hier Teil-1 und Teil-2 des Artikels auf [...]