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Im zweiten Teil unseres Interviews mit Eduardo da Vinci, der sich selbst als “Digital Artist” bezeichnet, erklärt uns der Photoshop-Experte, wie er die Fortschritte im Bereich digitale Bildbearbeitung einschätzt und welche Projekte sich für die nahe Zukunft auf seiner To-Do-Liste befinden.
Redaktion: Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Sie – kann man das prozentual festmachen?
Eduardo da Vinci: Eine sehr große! Ich würde sagen 70-80% entfällt auf die Arbeit mit Photoshop und ähnlichen Programmen. Das gilt zumindest für den Bereich “People Photography”. Wenn ich Produkte oder andere “leblose” Gegenstände fotografiere, kann das Verhältnis auch schon mal genau umgekehrt sein. Stimmt das Licht-Setup in solchen Fällen, kann es sein, dass ich die Fotos nur noch mit Adobe Camera RAW oder Lightroom entwickle und fertig. Photoshop benutze ich in diesen Fällen allenfalls für’s Freistellen der fotografierten Objekte.
Wie eignen Sie sich selbst Ihr Fachwissen an, das sie zum “Certified Expert” macht?
Eduardo da Vinci: Angefangen habe ich zunächst nach dem Motto learning by doing. Dafür alleine ist Photoshop aber zu komplex. Ich habe dann mit Lern-DVDs und Fachliteratur weiter gemacht, vor allem aus den USA. Erst wenn man die Software in Gänze beherrscht, kann man sich zu Zertifizierung anmelden. Heute ist es wohl ein Mix aus allem. Man lernt eben nie aus und die Software entwickelt sich immer weiter.
Wie beurteilen Sie auf diesem Gebiet die technische Entwicklung von Photoshop und Co. in den letzten Jahren?
Eduardo da Vinci: Zu den früheren Versionen bis einschließlich CS 2 kann ich nicht viel sagen, da ich zu dem Zeitpunkt, als diese Versionen aktuell waren, noch nicht einmal wusste, was eine Ebene ist. Seitdem ich das beurteilen kann, waren die Fortschritte schon enorm. Dies gilt umso mehr, wenn man bedenkt, wie wenig Zeit die Entwickler bei Adobe für eine neue Version haben. Adobe wird als Aktiengesellschaft an ihrem wirtschaftlichen Erfolg gemessen. Deshalb muss jedes Jahr eine neue Version her und das widerum führt dazu, dass manche Innovationen mit heißer Nadel gestrickt wurden und erst in der darauf folgenden Version ausgereift sind.
Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Möglichkeiten, die dieses Programm bietet, immer spektakulärer werden. Der Trend geht eindeutig dahin, auch dem normalen Anwender ohne große Vorkenntnisse alle Möglichkeiten der Bildretusche zu bieten. Wenn man früher für das Entfernen von Pickeln oder Falten einen Bildbearbeiter brauchte, geht das heute mit einem Mausklick. Ich sehe diesen Trend als Photoshop-Trainer und -Experte natürlich mit gemischten Gefühlen, aber bislang war es so, dass mit den Innovationen auch die Ansprüche der Anwender steigen und die Software dadurch immer komplexer wird. Alles in allem hat sich die Grenze zwischen Amateur und Profi nicht aufgelöst, sondern nur nach oben verschoben, so dass nach wie vor Bedarf an professionellen Bildbearbeitern besteht.
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Auf Ihrem Blog geben Sie Ihr Photoshop-Wissen weiter – warum ist Ihnen das Teilen Ihrer Erfahrung so wichtig?
Eduardo da Vinci: Als frisch gebackener Experte war ich auf einer Veranstaltung von Creative Parlour in Köln. Da wurde unter anderem auch über Photoshop referiert und mir war schon nach einer halben Stunde klar, dass ich unbedingt Trainer werden wollte. Ich habe einfach riesigen Spaß daran, anderen Anwendern Photoshop näher zu bringen. Das hat ja letztendlich auch zu der Zusammenarbeit mit meinem Verlag geführt.
Zusammen mit Galileo-Design sitze ich im Moment an den Vorbereitungen zu einer Neuauflage meines Photoshop Elements Trainings, das sich diesmal noch intensiver mit dem Thema Fotografie und Bildbearbeitung befasst – hoffentlich sind mir die Leute von Galileo nicht böse, wenn ich verrate, dass für Ende des Jahres eine DVD mit meiner Wenigkeit und vier großen Photoshop-Künstlern in Planung ist. Arbeitstitel: “Die Tricks der Photoshop-Profis”. Zusammen mit den Anderen werden wir auf dieser DVD dem Arbeitstitel alle Ehre machen und kräftig aus dem Nähkästchen plaudern. Mit von der Partie sind Marco Hayek, Pavel Kaplun, Marco Kolditz und Thorsten Thees. Das wird sicherlich ein “Photoshop-Fest” für interessierte Anwender.
Mein Blog ist für mich eher eine Spielwiese. Dort kann ich in den Tutorials so reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist und brauche nicht auf Konventionen zu achten, wie das bei der Verlagsarbeit der Fall ist und die Anzahl der täglichen Zugriffe scheint mir recht zu geben.
Und zum Schluss: Was ist Ihre liebste Inspirationsquelle?
Eduardo da Vinci: Die liebste? - Meine Frau!
Vielen Dank für das Interview!
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