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In unserer Web-Reihe wollen wir uns heute einmal dem Thema Farbe widmen, schließlich gehört für den Webdesigner die Entscheidung, welche Farben zum Einsatz kommen soll, zu den wichtigsten Fragen hinsichtlich der Gestaltung einer Website. Welche Grundfarbe soll die Website haben? Welche Schriftfarbe passt farblich am besten und ist zugleich gut lesbar, ohne dabei langweilig zu sein? Verwende ich für den Rahmen die Komplementärfarbe oder verlasse ich mich auf mein eigenes ästhetisches Empfinden? Was sieht gut aus und welche Wirkung erziele ich mit welcher Farbe?
Wie wir Menschen eine Farbe empfinden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es ist eine Frage der Kultur, der Mode, der Religion und natürlich der persönlichen Assoziation. So ist beispielsweise in östlichen Kulturen weiß die Farbe der Trauer (wird in hiesigen Standesämtern i.d.R. anders gesehen
). In der christlichen Ikonographie ist Lila die Farbe der Buße und der Fastenzeit und nicht die Modefarbe der letzten Saison. Ein guter Webdesigner sollte dieses Faktoren keineswegs aus den Augen lassen. Eine Hilfestellung, für welche Farbe man sich entscheiden soll, bietet die Farbenlehre. Um zwei der Gebräuchlichsten soll es heute gehen.
Farbkreis von Johannes Itten
Dieser Farbkreis ist den meisten aus dem Kunstunterricht bekannt. Die Grundfarben (Primärfarben, Farben erster Ordnung) dieses Farbkreises sind Gelb, Rot und ein dunkles Blau. Mischt man zwei der Primärfarben im Verhältnis 1:1, erhält man die Sekundärfarben (Farben zweiter Ordnung) Orange, Grün und Violett.
Johannes Itten ist bei der Erstellung seines Farbkreises von den Erfahrungen seines künstlerischen Schaffens ausgegangen. Allerdings lassen sich die Farben seines Farbkreises in der Realität nicht unbedingt derart abmischen. Dafür ist dieser Farbkreis aber abgestimmt auf die subjektive Empfindung des Betrachters – welche Farbe harmoniert mit einer anderen besonders gut? Mit diesem Farbkreis lassen sich als angenehm empfundenen Farbklänge zusammenstellen, indem man z.B. ein Dreieck oder ein Quadrat über den zwölfteiligen Kreis legt (z.B. Dreiklang Orangerot – Gelbgrün – Blauviolett). Jedoch sollte man auch diese Farbklänge auf ihre Wirkung überprüfen. Dabei spielen die Größe der Farbfläche oder die Farbhelligkeit bei der Wirkung der Farbe eine gewichtige Rolle. (siehe auch die 7 Farbkontraste nach Itten)
Die Komplementärfarben sind:
- Rot – sattes Grün
- dunkles Blau – Orange
- Gelb – Violett
Ein Hilfsmittel für Webdesigner, das auf Grundlage des Farbkreises von Itten funktioniert, ist z.B. der Color Scheme Designer.
Farbkreis von Harald Küppers
Der Farbkreis von Harald Küppers hingegen basiert weniger auf ästhetischem Empfinden, sondern auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und geht sowohl von der Anatomie des menschlichen Sehens als auch von den wichtigsten Farbmischgesetzen aus: Menschen können mit den Rezeptoren (Zäpfchen) ihrer Augen die „Urfarben“ Orangerot (R), Grün (G) und Violettblau (B) sehen. Werden je zwei der Rezeptoren angesprochen, entstehen die Farben Gelb (Y), Magentarot (M) oder Cyanblau (C). Werden alle Rezeptoren gleichermaßen beansprucht, „sieht“ der Mensch Weiß (W). Werden keine Rezeptoren angesprochen „sieht“ der Mensch Schwarz (K). Daraus ergibt sich das sogenannte Buntarten-Sechseck. Durch die naturwissenschaftliche Herleitung der Theorie von Küppers lassen sich alle praktischen Anwendungen wie z.B. die additive oder subtraktive Farbmischung in Bildbearbeitungsprogrammen und dem Druck gut erklären.
Die Komplementärfarben sind:
- Orangerot – Cyanblau
- Grün – Magentarot
- Violettblau – Gelb
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Ein praktisches Beispiel ist die Farbkorrektur im Photoshop. Wenn ein Bild z.B. einen Rot-Stich hat, dann kann man diesen mit einer Verschiebung der Farbwerte in Richtung der jeweiligen Komplementärfarbe korrigieren. Dies wäre, ginge man nach der Farblehre Ittens, Grün. Bei der physikalischen Bildbearbeitung spielen aber nun naturwissenschaftliche Faktoren eine entscheidende Rolle. Mit anderen Worten: Es gilt hier die Farblehre Küppers. Dieses Wissen sollte ein guter Webdesigner heutzutage haben. Und besonders gut ist er, wenn er ästhetische und naturwissenschaftliche Faktoren zu verbinden weiß.
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