Mai 04

portraitrabanAnfang April erschien die vierte Ausgabe von “Freistil” - eine Sammlung, die mehr als 180 Illustratoren porträtiert und deren Arbeiten vorstellt. Grund genug uns mit dem Herausgeber und einem der Großen in der Illustratorenzunft, Raban Ruddigkeit, über seine Arbeit, “Freistil” und natürlich über die Entwicklung im Bereich der Illustration zu unterhalten.

Redaktion: Wenn man etwas über Sie in Erfahrung bringen will, findet man zahlreiche Beschreibungen und Bezeichnungen wie Gestalter und Konzeptioner für Verlage und Werbeagenturen, Creative Director bei verschiedenen Agenturen, Chefredakteur, Mitglied der Designinitiative Create Berlin, Buchherausgeber und natürlich Illustrator. Wer davon ist denn nun der wahre Raban Ruddigkeit?

Raban Ruddigkeit: Eine gute Frage. Denn eigentlich habe ich oft das Gefühl, immer das Gleiche zu tun. Der wahre Raban ist wohl der, der Dinge und Menschen vernetzt - zu beiderseitigem Vorteil. So eine Art Medium in Personenform. Behaupte ich mal …

Redaktion: Sie konzipieren u.a. Logos, Corporate Designs und Kampagnen für große Unternehmen wie Audi oder die Dresdner Bank. Andererseits entwerfen Sie für Musiker wie Nikolai Tomás (ehemals Poems of Laila) ein Logo. Gibt es Unterschiede für Sie in der Herangehensweise bei Ihrer Arbeit?

Raban Ruddigkeit: Eigentlich immer weniger, denn es geht überall darum, Inhalte und Ideen in eine Form zu bringen, die beim Publikum Aufmerksamkeit erzeugt und sie länger fesselt als zwei Sekunden. Das klingt einfach, wird aber in einer Welt voller Informationen, Geschichten und neuen Produkten immer schwieriger. Der einzige wirkliche Unterschied ist ein eher wirtschaftlicher. Und da versuche ich, die Dinge möglichst ausgeglichen zu halten.

Redaktion: Sie haben einmal gesagt, dass noch vor wenigen Jahren Illustrationen bei Verlagen und Agenturen tendenziell eher in den unteren Schubladen gelandet sind. Was hat sich denn im Bewusstsein der Verlage seitdem verändert oder stoßen Sie auch heute noch auf Widerstände?

Raban Ruddigkeit: Widerstände gibt es immer. Aber es kommt darauf an, wie diese Widerstände sich formulieren. Vor einigen Jahren gab es Illustration nur als von Zahnarzttöchtern gebastelte Kinderbücher. Heute wird sie ernster genommen, taucht verstärkt in ernst zunehmenden Medien auf und muss sich damit zum Beispiel mit professioneller Fotografie messen. Das kann sie nicht immer. Aber eben immer öfter.

Redaktion: 2003 haben Sie “Freistil“, eine Sammlung mit Porträts und Arbeiten von 175 Illustratoren, zum ersten mal veröffentlicht. Was war damals Ihre Intention, ein solches Buch herauszugeben?

Raban Ruddigkeit: Eigentlich ging es nur um ein Tool, wie ich es selbst vermisst habe. Als Art Director einer Zeitschrift war ich damit beschäftigt, einen Relaunch hinzukriegen. Und arbeitete in einer Redaktion, in der es jede Menge Fotobücher und Kataloge gab. Und einen Schuhkarton, in dem die farbkopierten Heftchen der Illustratoren gesammelt wurden, die manchmal noch nicht einmal eine Telefonnummer hatten. Da lag es nahe, die zu dieser Zeit neu erblühende Szene mal ganz pragmatisch zu bündeln und das Ganze dennoch in einer besonderen Form aufzubereiten. Die Skepsis war groß, der Erfolg größer.

Redaktion: Nun ist Anfang April die vierte Ausgabe von “Freistil” erschienen und die ersten Reaktionen auf Ihrem Blog dazu sind sehr positiv. Was hat sich, abgesehen davon, dass es in schwarz-weiß gestaltet ist, sonst noch im Vergleich zu seinen Vorgängern verändert?

Raban Ruddigkeit: Der Weg ist das Ziel. Und seit dem ersten Buch ist viel geschehen. Das handwerkliche Niveau ist deutlich gewachsen. Immer mehr junge Leute steigen in die Illustration ein. Man sieht sie mittlerweile in Fashion, Pop und Möbel-Design. Es gibt illustrierte Tapeten, das ganze Thema Streetart … Und ein bisschen davon dürfen wir in den Büchern zeigen. Schwarz-weiß haben wir es deshalb gemacht, weil es im Zuge der oben erwähnten Renaissance schon fast zu viele Bücher, Websites und Zeitschriften gibt, die sich der bunten Welt der Illustration widmen. Da wurde es Zeit, mal einen Kontrapunkt zu setzen. Ganz ehrlich, es war ein Risiko, das mich manche Nacht nicht schlafen ließ. Glücklicherweise hat es sich gelohnt.

Redaktion: Für jede Ausgabe bewerben sich weit mehr Illustratoren, als Sie letztlich veröffentlichen. Was sind Ihre persönlichen Qualitätskriterien?

Raban Ruddigkeit: Es gibt ja einen Beirat, der aus mehreren Kapazitäten besteht, die sich mit dem Zeichnen auskennen. Meine persönlichen Kriterien unterscheiden sich nicht von denen für andere Formen der visuellen Kommunikation. Es geht nur darum; ist es eine tolle Idee. Und ist sie toll umgesetzt. Das klingt jedoch einfacher, als es oft ist. Denn ich hab in den letzten 20 Jahren schon so einiges gesehen.

Redaktion: Sie selbst haben mit www.ruddigkeit.de Ihren eigenen Webauftritt. Wie wichtig ist es für Illustratoren, Grafiker und Künstler im Internet mit einer eigenen Website präsent zu sein?

Raban Ruddigkeit: Ich glaube, ein Illustrator oder Designer ohne Website existiert gar nicht. Oder er ist eben ein Künstler.


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