Nov 16

Logotrends Pixelpipe

Eine kleine Aufgabe: Man stelle sich hier und jetzt einmal das Logo der Deutschen Bank vor. Strich im Quadrat - das hat man schnell vor Augen. Und das aus einem einfachen Grund: Es ist markant und unverwechselbar, schnörkel- und vor allem zeitlos. Viele Logos haben sich durch genau diese Charakteristik über Jahre hinweg zu unverkennbaren visuellen Unternehmensbotschaftern etabliert, die durch Plakativität Aufmerksamkeit gewinnen und vor allem einen hohen Wiedererkennungsgrad aufweisen. Mit vielen anderen Beispielen wie Audi mit seinen vier Ringen oder der Stern des Wochenmagazins Stern könnte man fortfahren, wenn sich dieser Beitrag nicht den von der Logolounge ausgewiesenen Trends 2009 in puncto Logodesign widmen würde - und die gehen, hält man sich die genannten Klassiker vor Augen, so ziemlich in die entgegengesetzte Richtung.

In allererster Linie fällt auf, wie filigran, detailliert und vor allem farbenfroh die Logos sind. Sie wirken äußerst kleinteilig und feingliedrig, geradezu detailverliebt und nicht selten grazil. Und sie bestechen durch Komplexität und Pluralität an Farben, Farbverläufen und Farbnuancen.

Trotz der Komplexität findet zum Teil eine Besinnung auf bestimmte “klassische” Designelemente statt. Auf Fotografien zum Beispiel: Durch die Verbindung - und Verschmelzung - von Fotografien mit Vektorgrafiken entstehen beispielsweise Logos, die eine enorme Dynamik mitbringen. Die Verwendung von Punkten ist beim Logodesign hingegen nichts neues, bemerkenswert ist jedoch die zunehmende Zufälligkeit von ihnen. Die Punkte scheinen weder in Farbe noch in Größe konsistent zu sein, wirken weder geordnet noch sortiert. Das Überraschende bei der Betrachtung dieser “pointierten” Logos ist, dass trotz scheinbar ungeordneter Struktur ein visuelles “Ganzes” entsteht.

Neben Punkten kommen auch Streifen nicht aus der Mode. Breitnuancierte Farbbänder, die verspielt und lebhaft wirken, kommen oft zum Einsatz. Bei der Logogestaltung dienen sie zum Teil als Hintergrundschmuck, sind in das Gesamtdesign eingegliederte Schmuckelemente oder stehen für sich allein - die Ideen scheinen schier grenzenlos. Ein besonders beeindruckender Ansatz, ein Logo zu kreieren, liegt im Verstecken eines Bildes im Bild. Das funktioniert in etwa so wie das Wahrnehmen einer Blumenvase auf einer Grafik, auf der einfach zwei Gesichter gespiegelt werden. Auf die Logos übertragen heißt das: Es zeigt ein Bild oder eine Grafik, worauf jedoch noch eine weitere Darstellung zu erkennen ist - jedoch erst auf den zweiten Blick.

Hier wird nun der Zwiespalt deutlich, wie er auch in den Kommentaren zu den Logotrends sichtbar wird: Die bekannten Logos - wie eben das der Deutschen Bank - entsprechen kaum den hier aufgezeigten Trends. Viele von ihnen zeichnen sich vor allem durch ihre Einfachheit und Einprägsamkeit aus, nicht durch Verspieltheit und Detailreichtum.

Letztlich lässt sich natürlich nicht pauschalisieren, welcher Ansatz nun der bessere, kreativere ist. Schließlich sollte ein Logo sich nicht Mustern und Trends, sondern dem jeweiligen Unternehmen oder Produkt und der entsprechenden Identität, Botschaft und Kultur anpassen - beziehungsweise diese symbolisieren. Und das geht bei dem Schrägstrich im Quadrat sicherlich ebenso wie bei dargestellten Spitzendeckchen, Punktevariationen oder Farbstreifenansammlungen. Es gehört halt immer ein wenig Fantasie und Interpretationsfreude dazu.


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