Feb 17

Pixelpipe Wohlfahrtsmarke

”Schatz, ich gehe mal die Post holen.“ – ”Nein, lass. Das mach ich schon.“ Auch wenn wir ja gern an Romantik glauben, kann das partnerschaftliche Zuvorkommen hier einen ganz anderen Grund haben. Um genauer zu sein: einen duftenden. Die Idee von „duftendem Papier“ und deren Einsatz für Imagebroschüren, Plakate oder Grußkarten ist nicht neu, dass unser Geruchssinn nun auch beim Leeren des Briefkastens angesprochen werden kann, hingegen schon.

Duftquelle in diesem Fall sind die Wohlfahrtsmarken 2010 – diese sehen nämlich nicht nur fruchtig-lecker aus, sondern duften auch so. Am 2. Januar hat das Bundesfinanzministerium die neuen Briefmarken präsentiert. In diesem Jahr zeigen sie verschiedene Obstmotive, zwischen denen gewählt werden kann: von Apfel und Erdbeere über Zitrone bis zur Heidelbeere. Und reibt man mit dem Finger über die Marken, geben sie ihren Obstduft frei. Dank eines speziellen Druckverfahrens werden winzig kleine Mikrokapseln in die Druckfarben eingearbeitet. Beim Reiben über die Briefmarke werden diese zerstört und entfalten ihren Duft. Bei jedem Rubbeln werden aber nur einige wenige Kapseln beschädigt, so wird der Obstgeruch nahezu unbegrenzt gespeichert.

Pixelpipe Wohlfahrtsmarken

Die Duftmarken haben ihre Premiere in Deutschland – aber wie kommt man auf so eine doch eher ungewöhnliche Idee? Annette Mauermann aus der Abteilung Wohlfahrtsmarken der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege gibt zu, dass da ein bisschen abgeschaut wurde. Denn wer hat´s erfunden? Die Schweizer! ”Die Schweizer hatten schon einmal eine Briefmarke mit Schokoladengeruch, dadurch sind wir auf die Idee gekommen.“ Und warum Früchte und keine Süßigkeiten? ”Wir haben uns für Obst entschieden, weil die Marken immer einen heimischen Bezug zu Deutschland haben sollen und da haben wir uns für typisches deutsches Obst entschieden“, so Mauermann.

Die Wohlfahrtsmarken – bisher geruchsloser Natur – haben in Deutschland eine lange Tradition und dienen einem guten Zweck: Der Erlös aus dem Markenverkauf fließt in die Verbände der Freien Wohlfahrt, die bundesweit soziale Hilfseinrichtungen mit dem Geld unterstützen. 1949 wurde die Abteilung Wohlfahrtsmarken gegründet, die seitdem jährlich Sondermarken herausgibt, um damit Geld für Menschen in Not zu sammeln. Mit der neuen Duftsensation hofft man, den Erlös dieses Jahres noch zu steigern.

Wer sich statt der nächsten E-Mail also für den Brief-Klassiker in Papierform und mit ihm für eine duftende Marke entscheidet, der muss einen Aufschlag von 40 Prozent auf die normalen Briefmarkenpreise hinnehmen. Aber für einen guten Zweck und einen total überraschten Empfänger kann man schon einmal etwas tiefer in den Geldbeutel greifen. Die Marken sind bei der Post, den Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände oder auf der Website des Sozialwerks erhältlich.

[Bildquelle: Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege]


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