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Steffen Böttcher ist seit 2001 als selbstständiger Fotograf und Gestalter im Web und Print tätig. Der leidenschaftliche Fotograf, der sowohl im digitalen als auch analogen Lager zu Hause ist, hat bereits Fotostrecken mit Verona Pooth, Diana Amft, Jessica Wahls (No Angels), Mario Winans oder Tobias Regner gemacht. In seiner Tätigkeit als Designer hat er u.a. Logos für Rapidshare, Felix Sturm, WestCoastCustoms, das Verpackungsdesign für Maxfield, Commodore und Lexxum sowie CD-Cover beispielsweise für Yvonne Catterfeld entworfen. Daneben betreibt der in Buchholz in der Nordheide (südlich von Hamburg) sesshafte Steffen Böttcher den Blog Stilpirat, in dem er spannende Themen, auf die er im Rahmen seiner alltäglichen Arbeit stößt, mit seinen Lesern teilt.
Wir haben mit ihm über seine Arbeit und seine Branche gesprochen. Im ersten Teil unseres Interviews gibt er uns einen Einblick in sein Schaffen als Fotograf und spricht in diesem Zusammenhang auch über die Potenziale der Bildbearbeitung und warum man beispielsweise Raw-Dateien verwenden sollte.
Redaktion: Sie sind sowohl Fotograf als auch Grafik- und Webdesigner, tanzen also gewissermaßen auf mehreren Hochzeiten. Muss man als Kreativer heutzutage Allrounder sein und wenn ja, kann man denn dann noch hinreichend Spezialist auf einem Fachgebiet sein?
Steffen Böttcher: Ich glaube nicht, dass Allrounder zwingend gebraucht werden. Niemand erwartet von einem Fotografen, dass er eine Verpackung gestalten kann, oder nötigt dem Gestalter ein professionelles Beauty-Shooting ab. In meinem Fall ist diese Kombination aus Gestaltung und Fotografie über die Jahre aus meiner Historie gewachsen. Ich sehe es auch nicht als Tanz auf mehreren Hochzeiten, sondern als wunderbare Melange. Wenn ich ein bestimmtes Bild für eine Gestaltung im Kopf habe, kann ich dies ohne viel externen Aufwand selbst umsetzen oder auf einen riesigen Fundus an Material zurückgreifen. Umgekehrt spiele ich gern grafisch mit meinen Fotografien und sample dabei etwas völlig Neues zusammen. Und das ohne mir Gedanken um die Bildrechte machen zu müssen. Eine schöne Freiheit…
Redaktion: Welchen Stellenwert nimmt für Sie als Fotograf die digitale Bildbearbeitung ein? Kann man das prozentual festmachen?
Steffen Böttcher: Pauschal kann ich das gar nicht in Zahlen festmachen. Es kommt immer darauf an, welches Ziel man gerade verfolgt. Eine schöne Fotografie muss an sich nicht viel nachbearbeitet werden. Sie steht für sich. Ich lege meinen Fokus eher auf die Aussage eines Bildes, wobei ich zugebe, dass nur wenige meiner Fotos ganz ohne Nachbearbeitung auskommen. Ich arbeite seit einiger Zeit im digitalen Bereich ausschließlich mit Raw-Dateien. Da legt man zwangsläufig an jedes Bild noch mal Hand an.
Redaktion: Wie beurteilen Sie auf diesem Gebiet die technische Entwicklung von Photoshop und Co. in den letzten Jahren?
Steffen Böttcher: Die Werkzeuge der digitalen Bildbearbeitung geben uns heute ein gewaltiges Instrumentarium an Möglichkeiten an die Hand, die uns völlig neue Formen des Ausdrucks ermöglichen. Wir befinden uns inmitten einer digitalen Revolution, über deren Ergebnisse man in 100 Jahren möglicherweise nur schmunzelt. Doch es sei uns erlaubt, Grenzen auszuloten und völlig abstruse Dinge auszuprobieren. Ich trauere den Zeiten des stundenlangen Irrlichterns in der Dunkelkammer mit einem im Vergleich zu heutigen Möglichkeiten der Bildbearbeitung völlig lächerlichen Ergebnis jedenfalls nicht nach. Wiederum ist es für mich eine schöne Art der Meditation, einen richtigen Film zu belichten, diesen dann sorgfältig temperiert aus der Entwicklerdose auf die Welt zu bringen und zu wissen, dass dieser Film auch in 100 Jahren immer noch “lesbar” ist.
Redaktion: Wir haben in der letzten Woche mit einer Beitragsreihe zum Thema Raw begonnen. Die Meinungen gehen diesbezüglich ja etwas auseinander. Die einen sehen den Unterschied zwischen JPEG und Rawals minimal und unwesentlich an. Andere sprechen sich hingegen für die prinzipielle Verwendung von Raw-Dateien aus, da anderenfalls die Potenziale des Bildes nicht ausgeschöpft werden. Wie stehen Sie selbst dazu?
Steffen Böttcher: Fotografen, die die Möglichkeiten von Raw als “minimal” oder “unwesentlich” einstufen, haben dieses Format wahrscheinlich noch nie oder weit unter den Möglichkeiten benutzt. Sicherlich ist es nicht nötig, Omas 72sten auf Raw aufzunehmen. Wer jedoch im professionellen Lager unterwegs ist, kommt in den meisten Fällen nicht umhin, aus seinen Aufnahmen ein Maximum herauszuholen. Es gibt einige Bereiche, wo die Verwendung von Raw in der Tat keine so große Rolle spielt. In der Sportfotografie beispielsweise. Hier werden die Fotos noch aus dem Stadion per UMTS an die Redaktionen geschickt. Hier mit Raw zu arbeiten, wäre zu umständlich. Im Porträt- oder Architekturbereich sowie in der Landschaftsfotografie ist Raw mit seinen Möglichkeiten hingegen ein Segen.
Auch unter dem Aspekt der weiteren technischen Entwicklung der Bildbearbeitung betrachte ich dieses Bildformat als das schlüssigste. Wer weiß, was wir in zehn Jahren aus einem Raw noch alles rausholen können? Sorge bereitet mir hingegen der Raw-Kauderwelsch der verschiedenen Marken und der damit verbundenen dauerhaften (oder risikoreichen) Lesbarkeit über die nächsten Jahrzehnte. Adobe geht mit dem “Rosetta Stone” DNG Format (Adobe Digital Negativ) einen nachvollziehbaren und schlüssigen Weg. Dieses Format ist frei, für jeden zugänglich und wird sich hoffentlich noch mehr etablieren.
Wie einfach ist doch dagegen ein Negativfilm zu “lesen” - und haltbar über viele Jahre ist er auch. Ein Philosophieren darüber wäre jedoch ein ganz eigenes Kapitel…
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Portfolio: www.stilpirat.de
Blog: stilpir.at
Der zweite Teil des Interviews folgt morgen. Steffen Böttcher wird uns dann ein wenig mehr über sein Verständnis von Design erzählen und natürlich auch etwas über seinen Blog berichten.
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